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Too Strong

Nachdem sie uns seit Anfang der 90er mit HipHop Musik versorgen, wie z.B. mit dem Kulttrack „Rabenschwarze Nacht“, wurde es in den letzten vier Jahren ruhig um die Jungs aus Dortmund. Zu Too Strong muss man eigentlich nicht viel Erklärendes sagen, aber ich machs mal trotzdem für alle Unwissenden. Real HipHop wird uns von den Dortmundern geliefert. Sie machen nicht nur Tracks für alle HipHop-Begeisterten sondern sie haben auch gerne einen Track für die B-Girls und B-Boys am Start genauso wie einen Track über Graffiti, wozu sie auch eine tiefe Bindung haben.

Am 25.07.2005 wurde ihr neues Album „Dreamachine“ über das Berliner Label „The A Label“ veröffentlicht und gerade (Oktober 2005) sind die Silos fleißig am touren. Bei einem ihrer Auftritte, und zwar in Karlsruhe, bot sich die Gelegenheit für ein ausführliches und interessantes Interview.

http://www.toostrong.de/


 

HHWS: Wie und wann seid ihr mit HipHop in Kontakt gekommen?

DOZE: So 1983/84. Also richtig gefunkt hat es bei mir beim Anschauen des Filmes „Beatstreet“. Und danach hat man dann natürlich sofort angefangen zu breaken. Wir haben uns Namen gegeben von z.B. der Rocksteady Crew usw, deshalb heisse ich auch Doze. Das ist im Endeffekt halt übrig geblieben. Ich konnte den Namen dann irgendwann nicht mehr ändern, weil alle haben ihn gesagt, alle wussten „OK, das ist Doze“. Da konnt ich nicht mehr sagen: „Ich bin jetzt….Mike, Open Mike oder so.“

Mit Breakdance hat es also angefangen, dann kam der Bezug zur Musik, und ich hab natürlich auch Grandmaster Flash etc. Gehört, das Zeug, das halt auch auf den beiden Beatstreet Alben war. Ich bin auf die Instrumentals von Arthur Baker voll abgefahren, halt Elektro Sachen und so etwas. 88/89 habe ich dann angefangen Texte und Beats zu machen.

Das war der Start, es fing also mit Breakdance an.

 

HHWS: Also eigentlich der typische Start.

DOZE: Auf jeden Fall. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich zum ersten Mal wirklich intensiv Musik 1978 durch Kraftwerk gehört habe, bei einem Auftritt von Kraftwerk. Das hat mich geflasht, da bin ich nicht mehr von losgekommen und Kraftwerk-Musik war ja im Endeffekt auch der Vorläufer der für Elektro-Beats.

DER LANGE: Also ich bin zu dem Ganzen durch den Film Wildstyle gekommen, den habe ich im Kino gesehen. Wir haben früher immer bei uns im Jugendzentrum abgehangen, ich hab da in einem Vorort von Dortmund gewohnt. Dann sind zwei Szenegrößen aus Dortmund dort hingekommen und mussten eine Wand malen. Die mussten Sozialstunden machen. Da war ich total begeistert von und ich fand die Typen einfach cool, das wollte ich auch machen. Dann sind wir immer nach Dortmund mit dem Zug gefahren, sind dort auf den Gleisen rumgelatscht, haben uns Pieces angeguckt. Und irgendwann habe ich DJ Broke kennengelernt, da war er noch nicht DJ, er wollte immer Maler werde. Ist er aber dann nicht geworden.

Da haben wir dann mal gesagt: „Machen wir ne Rap-Combo“.

DOZE: Die hiess dann ICM.

DER LANGE: Genau, und Broke und ich waren quasi DJs. Bevor ich angefangen hab zu rappen war ich DJ. Broke hat Doze kennengelernt, und wurde Mitglied von Too Strong, das waren dann Broke, Zonic und Doze. Irgendwann hat Broke mich mal mitgenommen in den Keller und Doze meinte: „Du musst jetzt rappen, du musst mich doublen“. Dadurch bin ich zum Rappen gekommen.

 

HHWS: Um mal einen Blick auf eure Vergangenheit zu werfen, was ist euch besonders wichtig in Bezug auf eure Musik bzw. Karriere?

DER LANGE: Also für mich hat auf jeden Fall Wert: Ehrlichkeit, dass man seiner Sache treu ist, denn ich bin der Meinung, wenn man viel Zeit, Energie und Liebe in eine Sache investiert, dann bekommt man auch irgendwann mal was zurück, ein Ying-Yang Ding. Ich halte an dem Glauben fest, dass was ich tue nicht falsch oder verschwendete Zeit ist.

DOZE: Ja, bei mir ist es im Endeffekt genauso. Wir haben ja auf unsere Platte „True Hip-Hop“ geschrieben und True Hip-Hop heisst für uns halt, dass wir keine Rapband sind, sondern wir sind ne Hip-Hop Band. Wir repräsentieren in unseren Songs und teilweise auch live das Dreigestirn – Graffiti, Breakdance und die Rapmusik, MC’ing und DJ’ing wie man heutzutage so schön sagt.

Das ist auch ganz wichtig und das wird auch immer so bleiben, da werden wir nicht von weggehen.

 

HHWS: Was bindet euch so stark an HipHop, dass ihr nach so langer Zeit in der Szene immer noch Musik macht?

DER LANGE: Es ist eigentlich genau die Antwort wie gerade. 2007 sind es bei mir 20 Jahre, dann hätte ich ja 20 Jahre meines Lebens umsonst gemacht. Dann bin ich 35, mit 15 hab ich angefangen, und dann wäre es alles umsonst gewesen.

 

HHWS: Geht es nur darum, dass es umsonst gewesen wäre?

DER LANGE: Ich kann ja auch nichts anderes. Irgendwann war es mal Leidenschaft, das Hobby und jetzt ist es mein Beruf. Und ich lieb ja das was ich tue. Ich will ja auch nichts anderes machen.

DOZE: Und das ist halt wirklich kein Job sondern ein Beruf, das Wort kommt ja von Berufung. Das ist es. Wir haben zwar alle nebenbei noch was anderes gelernt gehabt, haben uns aber für Hip-Hop entschieden.

DER LANGE: Ich will auch nicht für so einen schmierigen Penner arbeiten, der auf meinen Knochen Kohle verdient, weißt du was ich meine. Das brauche ich nicht.

 

HHWS: Wie kam euer Krach vor vier Jahren zustande?

DER LANGE: Der kam nicht vor 4 Jahren zustande. Wir waren 10 Jahre zusammen unterwegs, jeden Tag aufeinander gehangen. Da kommen dann Reibereien, man hat Sachen in sich hineingefressen und nicht ausgesprochen. Wir haben einfach Abstand voneinander gebraucht.

Ein geiles Sprichwort ist: „Manchmal muss man gehen um zurückzukommen“. Und genauso ist es bei uns gewesen. Wir brauchten erstmal Abstand voneinander um wieder zueinander zu finden. Auch um zu sehen: Den Langen will keiner solo sehen, Doze will keiner solo sehen, ich meine wir machen noch Soloprojekte, die Leute wollen aber das Ganze sehen. Klar, wenn du 10 Jahre unterwegs bist, du bist bei einem Majorlabel, da steht die Nase dann auch mal höher, da musst du auch mal wieder auf den Boden kommen.

Und das ist definitiv in den vier Jahren passiert. Wir hatten überhaupt keinen Kontakt, gar nicht. Wir sind uns eigentlich mehr aus dem Weg gegangen.

DOZE: Es war nicht so dass wir total verfeindet waren, es war halt sozusagen Funkstille.

 

HHWS: Auch auf Dreamachine sind ein B-Boy Track und ein Graffiti Track zu finden. Wie wichtig ist es euch zu zeigen, dass HipHop nicht nur aus Musik besteht?

DER LANGE: Wichtig ist es ja weil wir es tun. Das kommt immer auf das eine Ding zurück. Ich rappe ja über Dinge die ich tue, die mir passiert sind oder die ich gut finde. Und da ich mich in dem Graffiti Ding bewege, ist es doch klar dass da ein Graffiti-Track drauf muss. Und es ist doch auch klar dass, wenn man über Hip-Hop redet, dass da ein Breaker-Song drauf muss.

DOZE: Gerade wie schon vorhin bei der Kraftwerk Sache gesagt, dass liegt mir halt am Herzen, das gehört komplett mit dazu. Das heisst aber jetzt nicht, das jede Hip-Hop Band das auch machen MUSS.

DER LANGE: Viele Leute fragen in Interviews auch „Warum macht ihr das so?“ Und dann sagt man, dass man Hip-Hop Musik macht. Und die Fragen „Warum habt ihr den oder den Track drauf gemacht?“ Diese Frage braucht man nicht zu stellen wenn jemand Hip-Hop Musik macht, das gehört einfach dazu. Das ist einfach so.

DOZE: Das ist ja unser Leben. Wir haben halt auch Texte mit denen sich die Leute identifizieren können, wie z.B. der Track „Bushfeuer“ in dem es etwas politisch zugeht. Aber wenn ich nur über Nutten, Kokain und Fuffies im Club rappe und 14- oder 15jährige kaufen das und denken, dass sie genau das Gleiche machen müssen, ich meine: Was soll das? Du gibst den Leuten halt automatisch ein Vorbild, ob du das willst oder nicht. Du musst dich natürlich nicht so verhalten und kannst das sagen was du willst. Aber ich kann das nicht. Ich kann nur über das rappen, was ich erlebt habe und mir am Herzen liegt und was ich auch selber tue. Ich kann nicht irgendwelche utopischen Sachen erzählen, klar, ich kann auch einen Weltraumrap machen und aus Spass ein Raumschiff kapern oder so was. Aber das ist halt was anderes als das was momentan da so abgeht.

DER LANGE: Bei mir ist es so, wenn ich z.B. ein neues Graffiti-Video sehe, dann bin ich extrem scharf drauf raus zugehen und auch was zu machen, dann bin ich motiviert, weil ich da Bock drauf hab. Und genau das versuchen wir mit unseren Platten zu machen, ob’s uns gelingt weiss ich nicht, da musst du die anderen Leute fragen. Aber wenn ich ne Platte mache, dann möchte ich dass die Leute motiviert sind etwas zu machen, selber kreativ zu sein. Oder dadurch die Motivation zu finden sich einfach für eine Sache zu begeistern und der Sache auch treu zu bleiben. Und das Ding ist, wenn du das nicht machst, dann ist es umsonst. Man lebt nur einmal und sollte keine Zeit verschwenden. Das ist das Ding. Das versuchen wir mit unseren Platten zu machen, die Leute dazu zu motivieren selber aktiv zu sein. Und wenn ich dann so Platten aus Berlin höre, zu was motivieren die mich?

DOZE: Das ist eigentlich traurig.

 

HHWS: Momentan gibt es nicht mehr so die Jams auf denen alle Elemente klassisch nebeneinander vertreten sind. Entweder sind es Riesenevents oder Sachen, bei denen ein Element hervortritt. Vermisst ihr so was?

DOZE: Ich vermiss das schon, denn damals war das auch ne Szene. Gestern waren wir in Würzburg, ich erinnerte mich an die Ostern Jam 94 in Würzburg, da sind wir alle hingefahren. Da war ganz Deutschland da. Das war super. Und da waren auch immer wieder dieselben Leute. Die haben ihre scheiss Beine benutzt, sind in den Zug gestiegen und dahin gefahren. Egal woher die kamen. Heute fahren sie den Computer hoch und gehen ins Internet und zerreißen sich die Mäuler. Voll feige und faul und was weiß ich…Und das muss man irgendwie ändern, zumindest muss man denen sagen dass das so nicht geht. Die sollen aktiv sein. Hip-Hop ist eine aktive Sache. Und so muss es auch bleiben. Hip-Hop passiert nicht am Computer, das passiert vor Ort. Man muss sich treffen und feiern und so..

Auf jeden Fall perönlich miteinander kommunizieren.

DER LANGE: Aber wenn du mal die allgemeine Stimmung in Deutschland siehst, dann sind ja eh alle so: „Ich scheiss eh auf alles, es ist ja eh alles kacke. No future, keine Zukunft und so…. Das ist die allgemeine Stimmung. Deswegen, denke ich, haben die Leute auch keine Lust sich zu bewegen. Es ist bequemer alles von zu Hause zu machen. Das ist komplett für’n Arsch.

Weißt du wenn ich Leute sehe, die sich über meine Pieces das Maul zerreißen,.dann haben die gar nichts davon gestanden, die haben das Bild nur auf dem Computer gesehen. Die fühlen gar nicht die Gegend, wo es entstanden ist. Dann gibt’s dann noch die Cracks, die nur das Bild zeigen, die reine Wand. Da kannst dann auch ein Blatt Papier zeigen. Du musst die Gegend zeigen, wo es entstanden ist, wie die Stelle ist, ob die Stelle hart ist. Das ist alles nicht auf dem Foto.

Aber wenn du hingehst und das dann siehst und dich davor stellst, dann sagst du: „Word, der hat sein Bestes gegeben.“ Oder du guckst dir die Outlines an: „Wie hat er denn das gemacht?“ So war das bei mir. Ich bin kilometerweit gelatscht, unter irgendwelche Brücken weil ich gehört habe, Chintz hat da ein Piece gemalt. Da bin ich hingelatscht und hab das gesucht, weil ich das sehen wollte. Dann bin ich stundenlang davor gesessen, weil zu dem Zeitpunkt konnte ich noch nicht glauben: „Wie kann man nur solche Outlines machen?“ Und als ich das dann gesehen habe wie er das gemacht hat, da war das dann klar. Im Graffiti in Deutschland ist es mehr eine Rückentwicklung, es gibt nichts neues, es passiert nichts mehr. Es ist alles gemacht.

 

HHWS: Inwiefern eine Rückentwicklung?

DER LANGE: Ja ganz einfach. Es gibt ja Gesetze nicht mehr: „Du darfst mit nem Silberpiece nicht über ne bunte Wand gehen.“ Die gibt’s einfach nicht mehr. Die Kiddies kennen das nicht mehr, die sollen sich unsere Platten kaufen, wir sagen dass. Aber Sido z.B., der sagt so was nicht. Und wenn die Leute halt den Sound von ihm geil finden, dann scheissen die halt da drauf und gehen auch mit einem Silberpiece über ein buntes Piece. Und da krieg ich einen Hals. Und dann auch noch mit einem schlechten Silberpiece, nicht mal mit einem guten. Und deswegen sage ich das ist eher eine Rückentwicklung.

 

HHWS: Sollte man diese Werte nicht weitervermitteln?

DER LANGE: Wenn mich einer fragt, dann kriegt er von mir auf jeden Fall immer eine Antwort. Wenn ein jüngerer Typ mich was fragt, dann bin ich dazu bereit mit ihm den Tag zu verbringen und ihm alles zu erklären. Weil wenn einer das kapiert hat, dann hab ich schon mal viel erreicht, darum gehts. Der erzählt es seinen Freunden und die erzählen es auch wieder weiter und so schliesst sich der Kreis. Aber wenn die Typen zu cool sind auf einen zuzukommen und fragen zu stellen: „Ich würd da gerne über eine Wand gehen, dein Bild steht schon länger..“ Gerade bei einer Hall of Fame, da wäre ich der letzte der sagen würde: „Will ich nicht.“ Ich würd das sogar fördern. Aber wenn keiner fragt und einen auf Scheissegal macht, dann ist das Pillepalle. Und das regt mich auf. Dadurch entsteht auch Gewalt und Aggressivität.

 

HHWS: D.h. den Leuten fehlt der Respekt?

DER LANGE: Respekt würde ich nicht mal sagen, ich find halt einfach, dass die im Kopf nicht so weit sind. Das ist gefährliches Halbwissen. Wenn es denen keiner sagt, dann wissen die das noch nicht mal, dann machen die das nicht mit Absicht. Das ist das Ding. Oder? (Anm: Schaut Doze an)

DOZE: Ich hab dem nichts hinzuzufügen. Auf jeden Fall!

 

HHWS: Bei mehreren Interviews hab ich gelesen, dass ihr euch nicht als die Old Schooler mit dem erhobenen Zeigefinger seht. Seid ihr der Meinung dass es wichtig ist sein Wissen an den Nachwuchs weiterzugeben?

DOZE: Das mit dem erhobenen Zeigefinger ist klar. Alles was du den Leuten so eintrichterst, so wie das die Eltern damals gemacht haben, dann machst du gerade das Gegenteil. Und alles was auf den Index kommt, das willst du dann haben. Deshalb auf keinen Fall so.

 

HHWS: Zu eurem Album, welches Konzept habt ihr bei der Erstellung gehabt?

DOZE: Wie immer – keins.

DER LANGE: Wir haben es einfach gemacht. Jeden Freitag treffen, das war das Konzept.

DOZE: Irgendwann kam der Dienstag hinzu, dann der Mittwoch und dann war die Platte fertig. Und es sind 20 ehrliche Tracks geworden. Wir haben halt viel zu sagen gehabt. Es ist einfach so rausgesprudelt, das ist alles in einem Jahr passiert. Wir haben uns wieder getroffen. Wir haben uns erstmal nur so getroffen mit Bier und Bratwurst und so, dann haben wir mal ein paar Beats gemacht, angefangen Texte zu schreiben, dann haben wir ein Label gefunden, dann haben wir den Scheiss rausgebracht, Poster gemalt und T-Shirts gemacht. Das ist alles in einem Jahr passiert. Wir haben Bock drauf!

 

HHWS: Ihr habt also Bock drauf mehr zu machen?

DOZE: Auf jeden Fall. Wir arbeiten schon am nächsten Ding. Aber ohne Druck. Nicht wieder mit einem Majorlabel die fragen wann man denn fertig ist. Da haben wir keinen Bock drauf. Einfach machen. Alles in Ruhe damit man keinen Druck und keinen Zeitstress hat, das ist nicht gut. Das haben wir zweimal gemacht und das reicht eigentlich.

 

HHWS: Wie würdet ihr euer Album beschreiben?

DOZE: Ich denke es ist ziemlich vielseitig. Es ist ein Hip-Hop Album. Es ist für jeden was dabei. Neulich hat mich eine Mutter bei einem Auftritt gefragt: „Was macht ihr denn für Musik, was ist denn da drauf?“ Und ich wusste gleich auf was sie anspielt, auf das was ihr Sohn im Fernsehen sieht den ganzen Tag. Dann habe ich ihr kurz erklärt worum es geht und dann sagte sie: „Ok, das kaufe ich.“
DER LANGE: Viva hat geschrieben: „Wenn ihre Kinder diese Platte im CD Regal haben, dann sind sie auf einem guten Weg.“

DOZE: Und: „Wir hoffen dass es sich auf den Schulhöfen rumspricht.“ Den Satz fand ich sehr gut. Bei den Auftritten ist es gemischtes Publikum. Es sind auf jeden Fall Leute von damals dabei, ältere, aber auch junge Leute. Die älteren Leute stehen vielleicht etwas weiter hinten in der zweiten und dritten Reihe und die jungen vorne. Je nachdem. Bei „Rabenschwarze Nacht“ stehen dann alle vorne und springen rum wie die Bescheuerten.

 

HHWS: Was macht einen guten MC aus?

DER LANGE: Ein guter MC ist für mich ein Typ der viel zu erzählen hat. Ich kann dir jetzt ein Beispiel geben was kein guter MC für mich ist. Aber das habe ich erst im Nachhinein rausgekriegt. Laki ist für mich kein guter MC in dem Sinne. Der ist ein richtig guter Styler, der hat einen richtig geilen Style. Aber wenn du dir ein komplettes Album von dem anhörst, dann wird’s schon hart zuzuhören. Und der reiht ja nur Wörter hintereinander. Und wir sind halt lieber Typen die eine Geschichte erzählen wollen. Das macht für mich einen guten MC aus. Und ein Typ der die Crowd bewegen kann. Der die von Anfang an im Griff hat. Der steht da oben und dann wissen die Leute: „OK, wir haben das zu machen was der sagt.“
In Chemnitz war z.B. eine Vorgruppe, die war wirklich gut, aber der Typ stand da regungslos mit einer Micky Maus Stimme. So total schüchtern. Ich hab mich hinterher mit dem unterhalten und dem gesagt: „Alter, du musst die anschreien dass die nach vorne kommen.“

„Lasst euch auf mich ein und wir werden Spass haben zusammen“ – das macht für mich einen guten MC aus.

DOZE: Ja auf jeden Fall. Das was du gesagt hast. Jemand der was zu erzählen hat. Einer der auf die Bühne geht und es schafft innerhalb von 2-3 Songs die Leute komplett auf seine Seite zu ziehen. Obwohl die seine Musik unter Umständen gar nicht kennen.

 

HHWS: Aber einer der was zu erzählen hat – das kann man auch so auslegen, dass viele Leute was zu erzählen haben. Das kann dann was Positives oder Negatives sein.

DOZE: Ja, klar sicher. Es muss mich ansprechen, ist dann aber auch wieder individuell. Der eine hört gern dies, der andere das. Und er muss live überzeugen, denn nur auf Platte ist uninteressant bei dem heutigen technischen Standard. Flow gehört natürlich auch mit dazu. Wer jetzt total daneben rappt, der muss auch an sich arbeiten.

DER LANGE: Der muss sich live definitv genauso anhören wie auf Platte. Sonst verfälscht er es ja. Es gibt super viele Geräte, man siehts ja im Fernsehen immer bei Popstars und so. Die kommen dann raus und eine Woche nachdem sie da gewonnen haben ist die LP schon fertig. Da würde ich mir schon Gedanken drüber machen.

 

HHWS: Gab es eigentlich schon Resonanz von Seiten Aggro Berlin / Sido auf eure Dissantwort?

DOZE: Leider nicht…“lacht“….da würde er uns ja bekannter mit machen, aber ich denk das wird er nicht tun. Wenn es passiert, dann passiert es. Wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm. Der hat auf jeden Fall angefangen damit, wir haben die Antwort geben, jetzt ist er wieder dran.

 

HHWS: Wo seht ihr euch in der Zukunft, was für Pläne habt ihr?

DOZE: Natürlich weiterhin Musik machen. Ich hab ja mit Chris zusammen ein Studio und da werden wir weiterhin Musik machen. Was sagst du dazu Chris, was ist deine Perspektive:

DJ CHRIS (müde): Ach, keine Ahnung.

DER LANGE: Ich will irgendwann heiraten, Kinder kriegen. Ganz easy. Einfach mein Leben leben so wie bisher auch. Keinen Stress machen, ganz ruhig halt.

DOZE: Ich hab schon geheiratet.

 

HHWS: Na dann noch von hier aus alles Gute dazu Doze!! Vielen Dank für das Interview. Einige letzte Worte oder Grüße…

DOZE: Ich grüße die Silo-Nation und alle Silomaniacs auf der ganzen Welt.

DER LANGE: Das auch ein anderes Gebiet in Deutschland die Chance bekommt zu zeigen was es kann, nicht nur die Hauptstadt und die da, wo die Mercedes-Benz herkommen…