HHWS

Cole

Einer der Old School Heads Deutschlands, der seit den Anfängen mit Wild Style und Stylewars malt, ist Cole aus Dortmund. Diese Stadt hat ihren Ruf schon seit langer Zeit, schliesslich hat das gebombte Zugsystem keiner vergessen der sich mit Writing beschäftigt. Cole ist einer der Writer dieser Zeit und heute noch genauso aktiv wie früher. Eine Menge seiner Arbeiten findet ihr auf seiner Website.

http://www.coleone.de/

 


 

HHWS: Erzähl uns bitte was zu deinen Anfängen. Wie bist du zum Graffiti gekommen?

COLE: Also ich habe 1982 mit Breakdance angefangen. Ein Bekannter aus meiner Straße hat schon sehr früh Skateboard gefahren und uns immer auf dem laufenden gehalten was so in Amerika abgeht und eines Tages zeigte er mir ein paar Breakdance Figuren die ich total irre fand und sofort versuchte dem nachzueifern. Ein Jahr später, 1983, sah ich eine Reportage im WDR Fernsehen, sie zeigten Ausschnitte aus dem Kultfilm Wildstyle. Anfangs habe ich nicht so ganz kapiert was die dort trieben, aber als sie dann noch Breakdance zeigten, war ich Feuer und Flamme. Ein bis zwei Monate später wurde der Film im Kino gezeigt. Mit meinen neuen Breakdance Kollegen MDB (Mad Dancing Brothers) schaute ich mir erstmalig diesen Film an und war wie hypnotisiert. Später lernten wir dann noch ein älteres Mädchen kennen die einen bemalten Rucksack auf dem Rücken trug, auf dem lauter kleine Graffitis waren die sie selbst gemalt hatte. Wir sollten noch öfter mit ihr zu tun haben, schliesslich wollten wir ja unseren Crewnamen auf unseren Anzügen haben. So kam es das ich es irgendwann selbst in die Hand nahm und die Jacken selber bemalte. Dann ging alles sehr schnell, Subway Art, und Styles probiert bis der Arzt kam. Zu dieser Zeit hatte ich nichts anderes mehr im Kopf. 

 

HHWS: In welchen Crews bist du seit wann und wie kam es dazu?

COLE: Ich bin in vielen verschiedenen Crews gewesen, habe mich aber oft auch sehr schnell wieder austragen lassen wegen diverser Ansichten und Meinungsverschiedenheiten. Also da waren The Effektive Double, All In One, The Real Deal, Fuck The Police. Meine jetzige Crew The Wild Side erfüllt genau das was ich unter einer Crew verstehe, alle Mitglieder kennen und schätzen sich. Es ist wie eine richtige Familie, ständiger Kontakt zu jedem. Es kam dazu als ich Dare (CH) Anfang der 90er kennen lernte. Ich reiste sehr oft in die Schweiz und hatte unzählige Aufträge und Aktionen mit ihm und anderen Writern. So kam es das Dare mich eines Tages fragte ob ich mit in seine Crew wollte. Da ich die meisten schon kannte und alle einverstanden waren schreibe ich heute Coleone.tws yeaa!!!!! 

 

HHWS: Dortmund ist ja bekannt für die Zeit wo das Zugsystem komplett gebombt war. Was passierte in der Zeit? Wie konnte das System komplett gebombt werden?

COLE: Eigentlich hätte das auch woanders genau so passieren können. Wir hatten aber das Glück dass Dortmund schon recht früh in den 80ern sehr aktiv war, so dass es bei uns mehr Writer gab wie sonst anders wo. Ok Hamburg, München nicht zu vergessen, klar. Es war aber so dass wir, was das Street Bombing betraf, weit vorne waren. Wir hatten halt zu viele von den Hardcore Typen in unserer Stadt die vor nichts halt machten. Es dauerte auch nicht lange da passierte genau das was passieren musste. Ich kann mich noch erinnern das ich Atom (damalig noch „Ziel“) in einer disco in Bochum traf und der mir von einem abgestellten Zug in Brügge (Lüdenscheid) berichtete. Ich traute meinen Ohren nicht. Hatten wir alten Hasen doch die Fahrpläne genau studiert und dachten dass dieser Zug entweder in Dortmund oder in Hagen abgestellt wurde. Das war für mich wie ein Schlag in die Fresse. Ich hatte es mal angemerkt dass der Zug auch irgendwo in der Mitte abgestellt worden seien könnte, aber meine Mitstreiter lachten mich nur aus. Direkt am nächsten Tag planten wir einen Window Down, denn wenn, dann auch richtig. Gut, ein Wholecar wäre natürlich der Hammer gewesen, aber mit Sparvar nen Whole Car, alter Schwede, das hätte zu lange gedauert. Also hieß der Plan Window Down. Geplant getan. Schriftzug mit zwei Figuren. War aber leider nur ein dreiviertel WD. Überlegt mal mit Sparvar Salmon gefüllt, das ist so als würde man heute mit Aliens Transparent Lack auf einen Zug gehen. Als wir fertig waren gingen wir auf die andere Seite und waren total schockiert denn, wie kann es anders sein, der King persönlich war schneller ein Dent bunt Panel mit Figur. Später erfuhren wir das er sich darüber geärgert hat das wir gleich sofort einen WD gemacht hatten und er nicht, hihi. Jetzt waren die Grundsteine gelegt. Es dauerte keine drei Tage, da fuhr der erste Whole Car, später dann sogar ein Whole Train. Alle versuchten größer, mehr und bunter zu machen. Die Bahn hatte nun keine Chance mehr mit dem Putzen nach zu kommen. Jahre später fuhren noch Trains in München oder Hamburg die eigentlich aus Dortmund waren. 

 

HHWS: Wie ist die Graffiti Szene in Dortmund heutzutage?

COLE: Gemessen an den alten Zeiten hat sich die Szene weiter gefestigt und es kommen ständig mehr Leute dazu. Diese halten die Krone schon noch oben. 

 

HHWS: Und wie siehst du die Szene in Deutschland?

COLE: Was soll ich sagen, heute siehst du an jeder Ecke Pieces. Ich hatte früher einen Traum dass es mehr Leute gibt die dasselbe Gefühl lieben, raus zu gehen und ihre Stadt anzumalen. Siehe da – er ist Wirklichkeit geworden. Bitterer Beigeschmack ist nur das es soviel rohe Gewalt in Deutschland gibt. Abzocken, prügeln. Writer gegen Writer ist nicht in meinem HipHop Sinne. 

 

HHWS: Welche Städte sind deine Lieblingsstädte in Bezug auf Graffiti?

COLE: Basel, Dortmund, Hamburg, München, Stuttgart, Amsterdam, Paris, New York 

 

HHWS: Und welche Writer gefallen dir, welche haben dich im Laufe der Zeit inspiriert?

COLE: Futura 2000, Noc 167, Skeme, Seen, Lee, Delta, Shoe, High, Boxer, Bando,Mode2. 

 

HHWS: Graffiti hat mittlerweile viele Seiten, nicht nur Pieces und Character, sondern auch Leinwände, Konzeptwände, Aufkleber, Graffiti Kleidung….gibt es. Wie siehst du diese Vielfältigkeit?

COLE: Es war klar das es irgendwann dazu kommen musste, schliesslich müssen auch Writer von etwas leben, oder! Schade ist nur dass Writer das wenigste dran verdienen. 

 

HHWS: Als Auftragsarbeiten hast du Wände, Autos, Leinwände, Schuhe, selbst ein Skateboard bemalt. Kannst du von den Aufträgen leben?

COLE: Wenn du keine hohen Ansprüche stellst, dann geht das schon. Ich will hauptsächlich malen und Musik machen. Und das geht. 

 

HHWS: Du hast ja die Idee gehabt eine Leinwand an eine Wand zu hängen, auf die Wand ein Bild zu malen und dann die Leinwand abzuhängen. Also hast du eine Wand und eine Leinwand gemalt. Wie bist du auf die einzigartige Idee gekommen?

COLE: Ich stecke halt voll mit Ideen. Oft habe ich Ideen die andere auch gleichzeitig haben. Die sind dann aber schneller als ich und dann verwerfe ich diese. Also bin ich ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und Wegen. Einer davon ist diese Leinwand Idee. 

 

HHWS: Viele deiner Leinwände beinhalten Buchstaben. Die Essenz des Writing. Ist es für dich wichtig die Buchstaben nicht zu vergessen?

COLE: Sehr sogar! Ich bin dem woher ich komme doch nicht böse. Ich mache aber auch Sachen auf denen du keine Buchstaben findest. Diese Sachen spiegeln meine Freiheit wieder, die ich lebe. Ich kann tun und lassen was ich will. Aber Graffiti werde ich sicherlich noch sehr lange machen. Daily Operation. 

 

HHWS: Wie wichtig ist dir Hip Hop? Siehst du überhaupt das Writing als Bestandteil der Hip Hop Kultur?

COLE: Ich bin ein Wild Style Kind der ersten Stunde und dort wurde ich als HipHop Respektierender geschult und geimpft. Alle drei Formen habe ich gelebt und liebe sie für immer. 

 

HHWS: In deiner langen Laufbahn als Writer hast du sicherlich viele interessante, witzige oder auch stressige Situationen erlebt und eine Menge Geschichten auf Lager. Erzähl uns bitte eine davon.

COLE: Eines Abends hatte ich mich mit mehreren Freunden verabredet zum malen. Da meine eltern das nicht wissen durften seilte ich meinen Rucksack mit den Dosen vom Balkon ab. Meine Mutter hatte den Rucksack aus dem Fenster ein Stockwerk tiefer gesehen, schnappte sich eine Schere und schnitt das Band durch. Der Abend war gelaufen und die anderen hatten schön ein paar nette Panels gemacht. 

 

HHWS: Was denkst du bringt die Zukunft in Bezug aufs Writing?

COLE: Das wird dieselbige zeigen!! 

 

HHWS: Was hast du persönlich für Ziele in Bezug auf dein Leben und in Bezug auf Graffiti?

COLE: Ich will ein Schweine Moos mit meinem Kram machen, dann die Deutsche Bundesbahn kaufen und ein Museum draus machen. 

 

HHWS: Vielen Dank für das Interview. Einige letzte Worte oder Grüße…

COLE: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Oder: take a walk on the wild side…