HHWS

Claudio & P-Vers

Offenburg ist für seine HipHop Künstler bekannt.Die B-Boy Crew Rockin Till Death hat sich europaweit einen guten Ruf ertanzt, die Graffitigruppe FCA ist Interessierten auf jeden Fall ein Begriff, wenn man nach Offenburg fährt sieht man an der Line überall ihre Sachen. P-Vers hat sich als MC jahrelang von Jam zu Jam gerappt. Claudio, Mitglied von RTD, ist nicht nur B-Boy sondern auch MC. Zusammen mit P-Vers hat er das Streethop-Records Label gestartet und ein Mixtape herausgebracht. Am 08.04.2006 ist es soweit für den Nachschlag, P-Vers wird sein Solo-Album rausbringen. Anlässlich des Albums und um die beiden näher kennen zu lernen, bin ich nach Offenburg gefahren um die beiden zu interviewen.

Herausgekommen ist nicht nur ein Interview, sondern ein Gespräch in welchem man die beiden näher kennen lernt sowie ihre witzige und auch ihre temperamentvolle Seite sieht, wodurch beide sympathisch rüberkommen. Dementsprechend lang ist das Interview auch geworden, deswegen gibt es das in mehreren Teilen.

Hier gehts zum Rockin Till Death Bericht von Claudio, den er zum zehnjährigen Jubiläum seiner Crew geschrieben hat.

http://www.streethop-records.de/

Alle Fotos wurden auf der Releaseparty vom P-Vers Album “Tage voller Zorn” am 08.04.2006 in Offenburg gemacht.


 

HHWS: Wie immer ist meine erste Frage der History gewidmet. Man kennt eure History ja z.T. schon durch den Text im B-Boying Bereich über die RTD Crew, aber erzählt trotzdem beide bitte etwas über eure Anfänge.

P-Vers: Angefangen hat alles so um den Dreh 92/93 rum, ich sag immer die „Chronic“ Zeit (Anm.: Album von Dr. Dre aus der Zeit). Oder Snoop mit „Doggystyle“ und so, das waren die ersten Dinger die ich angehört habe. Am Anfang hab ich alles auf Englisch gemacht für ungefähr ein Jahr, dann dachte ich mir: „Ich schreib immer was, vom Text her ist das aber ein Mist“,  ich hatte da keine Ideen. Und wie das dann bei den meisten so war hab ich es dann auf Deutsch probiert, einfach weil dir viel mehr einfällt und du dann auch eine ganz andere Klientel ansprichst. So hat sich das langsam entwickelt. Die ersten zwei, drei Jahre war das bei mir gediegen. Wir (zeigt auf Claudio) haben uns schon immer gekannt, auch über die Eltern, das war das Glück. Wir waren auch zusammen im Basketball Verein und auch über andere Freunde war der Kontakt da, so sind wir dann langsam zusammen gekommen. Bei ihnen (Anm.: RTD) war es eben das Tanzen, bei mir das Rappen und dann ist das immer mehr zu einer Unity geworden. Es gab da auch einen Kasernenplatz, da haben wir uns immer getroffen. Ich denke wie das dann in den meisten Städten war, so richtig Old School halt, mit dem Tanzen, das PVC -Ausrollen …

Also ca. 92/93 war der Anfang bei mir.

Claudio: Das finde ich auch, dass es hier wie in New York war. Wir hatten die Maler, die Trains sind rumgefahren. Wir sind mit dem PVC, das waren so 7-8 Mann, auf den Schultern trainieren gegangen, einer hebt den Ghettoblaster, er war dabei und hat gechillt (zeigt auf P-Vers), die anderen Jungs waren dabei und haben Sketches gemalt, es war echt wie in New York. Wir haben so das originale Feeling hier noch miterleben können, was die Leute die heute anfangen, gar nicht mehr miterleben, da ja alles total gespalten ist.

Bei mir hat es 94 begonnen. Ich war schon immer davon fasziniert, durch meinen Bruder Gianni, der schon immer Boogie getanzt hat und die Leute im Jugendzentrum, die dort getanzt haben. Richtig angefangen hab ich 94 und meine erste Jam war 95 in Karlsruhe, die Weiße Rose Jam (Anm.: Jugendhaus in Karlsruhe in welchem viele Jams gemacht wurden), da hab ich dann auch mehr gemacht. Dann haben wir in Offenburg unsere erste Crew gegründet, die IBM Crew, welche von zwei Sprühern gegründet wurde. Daraufhin hat sich das Ganze entwickelt. Der P (Anm.: P-Vers) war ja immer dabei, er war selbst Mitglied von IBM, hat da auch mitgebreakt. Da hab ich noch ein altes Video vom P seiner kurzen B-Boy Zeit. Wir waren 98 in Spanien im Urlaub und haben da immer Streetshows gemacht, der Batman, der ja auch hier ist, P und ich. Da haben wir ein bisschen Kohle gemacht und abends dann damit Party gemacht. Auf der Strasse tanzen, das war geil.

P-Vers: Du hast es schon vorhin gesagt, es war halt Herz dabei. HipHop hat mir halt etwas gegeben wo ich mich ausdrücken konnte. Davor war ich auch so ein 08/15 Junge, war in der Schule und wusste nicht was ich danach machen würde. HipHop hat mir etwas gegeben, ich hab erkannt, dass es mir Sinn gibt. Ich kann mich da drin verwirklichen. Ich damals auch Sketches gemacht, anfangs probiert man ja alles aus. HipHop zieht mich heute noch aus dem Dreck raus. Wie es eigentlich jeder sagt, dass ist ein Lebensgefühl. Nur vermisse ich das heutzutage oft.

Claudio: Es hat echt jeder gesprüht von uns damals. Wenn ich zurückdenke an die ganze Clique, jeder hat getaggt, jeder hat gebombt, eine geile Zeit.

P-Vers: Ich find das war noch was Besonderes. Wenn man sich eine neue Platte gekauft hat, z.B. Das EFX oder KRS-One, dann hat man die auch gleich rumgezeigt und jeder wollte die anhören. Heutzutage ist es wie ein Produkt, ich find es wird nur noch konsumiert. Früher war das alles noch was besonderes, wenn dann ein neuer Train durchgefahren ist oder einer hat Subway Art mitgebracht, es war wie wenn Kiddies die unendliche Geschichte oder Herr der Ringe lesen, wie eine eigene Welt. Man konnte abschalten und den Rest mal beiseite schieben. Es war etwas Besonderes.

Claudio: Und mit RTD hatten wir eine echt geile Zeit ab 98, hatten das Battle of the South gewonnen. Ich hab dann auch mit der Sprüherei aufgehört, denn auf einmal ging es richtig ab. Wir hatten jedes Wochenende eine Jam, ein Battle oder einen Auftritt. Wir waren in ganz Europa unterwegs. Ab 98 ging es bei uns voll bergauf, wir waren richtig gut gebucht. Ich bin dann gar nicht mehr zum malen gekommen. Ich hab das dann auch durch die Hausdurchsuchungen, hier ging es richtig ab, an den Nagel gehängt. Ich hatte 20 Mann bei mir zuhause morgens um 6h. Da waren DJ Larry D und Baby bei mir zu Gast, die wurden dann morgens von den Cops geweckt, das war auch mal eine schöne Geschichte. Sezai war dabei, wurde auch durchsucht. Danach hatten wir am selben Tag noch vier Shows im Europa Park.

Aber wie gesagt, mit Rockin Till Death war halt ne coole Zeit jahrelang, bis dann 2004 der Break kam. Wo einige Sachen untereinander nicht mehr gestimmt haben oder Meinungsverschiedenheiten da waren. Der eine hat andere Ziele gehabt. Ich hab meinen Bandscheibenvorfall gehabt und hatte auch gar keine Lust mehr auf die B-Boy Szene weil die mir echt zu abgefuckt war. Ansonsten war es eine geile Zeit.

 

HHWS: Wenn ihr mal an die Zeit der vielen Jams zurückdenkt, gibt es da eine Jam oder ein Erlebnis, dass euch im Kopf geblieben ist und an das ihr euch gerne (ungerne) erinnert?

P-Vers: Ich denk es gab viele geile Jams.

Claudio: Ja, früher gab es viele geile Jams.

P-Vers: Woran ich mich gerne erinnere, das waren die ersten Weiße Rose Jams in Karlsruhe wo ich dann dabei war, da war eigentlich immer eine coole Stimmung. Die ersten Jams in Offenburg, da war das alles ziemlich family-mäßig. Da haben wir noch auf der Palette gerappt, da gab’s noch keine Bühne. Für mich persönlich war die Geschichte mit den 360 Grad Leuten 2001 auf dem Splash was Cooles. Hin oder her, ob die Stimmung dann so bombig ist, da ist vielleicht eine kleine Jam sogar gescheiter, aber alleine schon der Eindruck wenn du vor 30.000 Leuten rappst, dann geht dir das Herz so (deutet einen schnellen Herzschlag an).  Da erinnere ich mich schon gern dran.

Claudio: An was ich mich gerne erinnere, das war die Jam 96 in Offenburg als sich Southside Rockers neu gegründet haben, das war ihr erster offizieller Auftritt in ihren Southside Rockers Trikots. Da gab es ein bisschen Beef mit den Mannheimern von Unique Wizzards, die hatten mit B-Boy Terror ihre Unity, Electric Empire. Und da gab’s dann ein fettes Battle, das hab ich noch auf Video, das war ein Kultbattle. Southside Rockers gegen Unique Wizzards. Daran erinnere ich mich immer wieder gerne, das war eine geile Zeit. Das war eine coole Jam in Offenburg, die hat meine Mom mit mir organisiert. Ich war erst 15,16, da hat meine Mom fast alles andere geregelt, ich hab nur die Tänzer angerufen.

Für mich war es auch ein Hammer Erlebnis beim Battle of the Year 2000 mit Rockin Till Death auf der Bühne gewesen zu sein. 10.000 Zuschauer waren dort und dass war das zehnjährige Jubiläum vom BOTY, das war das größte Battle of the Year aller Zeiten. Allein da dabei gewesen zu sein war eine Ehre. Wir haben Deutschland sauber präsentiert und haben Props und Fame bekommen. Ich kriege heute manchmal noch Mails wegen unserer Showmusik. Wenn ich irgendwo irgendwann mal auftauche und es kommt die Frage ob ich von Rockin Till Death bin dann kommt immer wieder etwas wie: „Hey euer Boogie Mann mit dem Skelett T-Shirt war cool..“ oder so, es kommen immer wieder noch so Sachen. Das ist den Leuten im Kopf geblieben und es freut mich, dass die sich noch dran erinnern.

Am meisten abgeturnt war ich dann beim Battle of the Year 2003 national. Als die Crews, die gerne im Finale gewesen wären, doch nicht im Finale waren und dann auf einmal die Jury gedisst haben und die ganze Veranstaltung boykottiert haben. Die haben sich einfach nur scheisse verhalten, die haben Flaschen herum geschmissen, die haben das Finalbattle gestört. Die wollten nicht um Platz 3 tanzen. Sie haben gemeint dass sie im Finale wären und die Jury war nicht der Meinung, dann wollten sie nicht mehr tanzen. Die haben halt die Mega-Scheisse abgezogen, die haben Storm gedisst und keinen Respekt mehr gehabt. Ab da hab ich gesagt: „Mit der Szene und den Leuten will ich nicht mehr. Das ist nicht mehr meine Welt, da läuft irgendwas verkehrt.“ Von da an habe ich mich da auch herausgehalten. Das nationale Battle of the Year 2003 war die größte Enttäuschung.

Deswegen hab ich dann ein Jahr später in Italien mit einer italienischen Crew beim Battle of the Year Italy mitgemacht, da war alles noch ein bisschen anders. Aber mittlerweile ist das wohl europaweit übergeschwappt, dass die Einstellung fehlt.

Das Internet macht ja auch viel möglich für die Jungs, die laden sich viel runter. Früher habe ich mich mit Beatstreet und Breakin zufrieden gegeben und heute geht man ins Internet und ladet sich erstmal 20 Nineties und 20 Twists runter, die Knowledge wird total vergessen.

P-Vers: Da geht der Geist irgendwie verloren.

Claudio: Du kannst auch mit den Jungs nicht diskutieren, das ist ja das traurige. Dann willst du denen was erklären und die kommen dann nur an mit: „Aber schau mal, der macht 20 Runden Ninety.“ Dann kannst du mit deinen Footwork grade mal stehen bleiben, das interessiert die dann nicht mehr. Das regt mich voll auf. Einer der auf dem Ellenbogen im Kreis springt, der bringt die Leute voll zum Durchdrehen. Dann kommt einer der Original Style hat, eigene Skills und voll die Persönlichkeit ist und die Leute gehen nicht so ab wie bei dem der auf dem Ellenbogen herumspringt.

P-Vers: Weil er dann wahrscheinlich nicht so Akrobatikscheisse macht. Eigentlich ist es ja nicht mein Ding, aber ich denke ein bisschen kann ich auch dazu sagen. Ein B-Boy ist halt in meinen Augen ein Junge der tanzen kann. Wenn ich mir dann manchmal die Sachen angeschaut hab, das war dann wie wenn so ein russischer Bodenturner rumgehopst ist. Dann kann man in den Leichtathletikverein gehen oder so, aber es gehört Talent dazu beim Tanzen.

Claudio: Ja (und nickt zustimmend).

P-Vers: Bei manchen Leuten habe ich das Gefühl dass die super turnen können, aber haben die schon gemerkt dass die gar kein Talent zum tanzen haben? Es ist ja genauso wie beim Rappen. Manche Leute denken, dass wenn sie schon mal das Mikrofon in der Hand gehabt haben und 5 Zeilen geschrieben haben, dann wären sie schon die Super-Rapper. Es gehört immer noch Talent dazu, gerade auch beim tanzen. Was bringt es wenn einer nicht mal vernünftig einen Sixstep machen kann aber dafür wie ein Verrückter durch die Gegend springt?

Claudio: Und das ganze Ding, der HipHop Knowledge, ist auch verloren gegangen. Trains malen, Beats machen, DJ’s, Rapper..das war alles ein Ding! Und heute – frag doch einen B-Boy mal irgendwas, der weiß doch gar nichts mehr. Der hört House und geht auf Techno Parties. Das ist voll übel.

P-Vers: Ich glaub da kommen wir beim Interview noch hundertmal drauf. Mich kotzt es an, ich frag mich manchmal, ob bei den Jungs noch das Besondere, das Gefühl für die Geschichte da ist? Oder machen sie es weil es cool war oder ist? Man befasst sich gar nicht mehr mit dem Thema. Man weiß gar nicht mehr was hinten dran ist, das ist nur noch wie eine große Show, wie so Superstar Kacke. Nur noch Effekte zählen, nicht mehr das dahinter.

Claudio: Der Tony aus Mannheim, auch von unserer Gruppe, hat mal was Geiles gesagt: „Das B-Boying entwickelt sich so langsam wie das Skateboard fahren, es geht nur noch um Tricks.“ Das eigentlich Schöne an dem ganzen Ding wird vergessen. Wenn einer schöne Toprocks macht, dann geile Sixsteps…Flows und so, das zählt gar nicht mehr. Da muss ein Trick her, da muss ein geiler Freeze her, der Schwierigkeitsgrad zählt und nicht mehr das im Kopf. Für mich kommt es darauf an: Einen richtigen B-Boy musst du an seinem Schatten erkennen. Wenn ich einen tanzen sehe und dann sagen kann: „Ja, das ist er, der war das.“ Dann ist es ein B-Boy. Und nicht wenn ich sagen könnte: „Es kann der oder der oder der sein, da sie alle gleich tanzen.“

 

HHWS: Das hat der Serkan von SSR mal damals zu mir gesagt, dass er jeden B-Boy an seinem Schatten erkennt.

P-Vers: Dann ist einer ja auch eine Persönlichkeit wenn man ihn daran erkennt. Als Beispiel Fußball, da kannst du auch sagen: „Hey, das macht nur der Ronaldino.“ Ist vielleicht ein blödes Beispiel, aber du erkennst ihn, das ist eine Persönlichkeit, der hat sich das selber beigebracht. Oder wie bei Samy Deluxe. Wie viele Typen haben damals als Samy groß herausgekommen ist gedacht, dass sie vom Rapstil her einen auf Samy machen müssen. Ich denke da nur: „Bist du eigentlich bescheuert? Bleib doch einfach du selber und zieh dein Ding durch!“

Auf jeden Fall sind wir jetzt abgedriftet. Zum ungernen Event fällt mir nichts ein wo ich sagen könnte, dass es so richtig in die Hose gegangen wäre oder vielleicht erinnere ich mich grade nicht dran. Wenn wir jetzt einen Auftritt hatten oder ich alleine einen hatten, da war es immer von den Leuten her ok und es war nie böse Stimmung. Von dem her kann ich mich gar nicht an was ungernes erinnern oder ich habe es verdrängt. (Anm: Gelächter fängt an)

 

HHWS: Und verglichen mit der heutigen Zeit, damals waren alle Teile zusammen und als eins gesehen, wie seht ihr die HipHop Kultur bzw. Szene heute? Kann man noch von einer Kultur mit 4 Bestandteilen reden?

Claudio: Man kann auf jeden Fall davon reden, das gibt es noch und es gibt auch noch die Liebhaber die das Ganze schätzen, man sieht ja, wir sitzen heute an einem Tisch. Aber die Masse ist größer und die Masse ist das Andere. Wir sind nur noch wenige der Überlebenden (grinst). Ich hab jetzt auch gehört dass in Amerika der KRS-One und was weiß ich wie viel Old School Hasen das ganze Ding am Leben erhalten wollen und eine Bewegung in die Wege leiten dass das Ganze nicht verloren geht. Ich denke, denen wird es in Amerika auch schon zu viel.

P-Vers: Ja, das wird immer extremer. Wenn du schon manche Jungs siehst mit Bling-Bling in der Fresse.

Claudio: Verkleidung!

P-Vers:  Eben, es ist Verkleidung. Man ich rappe zwar und so, aber wenn ich mal keinen Bock habe auf Baggy habe dann geh ich halt auch mal ein bisschen feiner in eine Kneipe und trinke da was. Man kann doch immer noch normal bleiben, aber ich finde, dass ist nur noch eine große Show geworden.

Aber ok, du kriegst dass gar nicht mehr so hin wie es früher war, vielleicht darf das auch gar nicht sein. Ein Gegenpol sollte aber da sein. Was ich traurig finde ist, dass sich heutzutage, grad im Rappen, niemand mehr für so Knowledge-Dinger interessiert, dafür ob der Typ am Mikrofon dir überhaupt was erzählt. Ich denke, wenn einer die Gabe oder das Mikrofon hat, dann hat er doch eigentlich auch eine Aufgabe, nicht immer, aber wenigstens über ein paar Tracks auf dem Album mal eine Message rüberzubringen, den Leuten was mitzugeben. Wenn ich mir ein Album anhöre, muss nicht mal ein Rap-Album sein, und denke dann danach: Ja gut, das waren jetzt vielleicht coole Beats, aber morgen habe ich ihn schon wieder vergessen. Aber ein richtiger geiler MC oder ein richtig geiles Album ist es, wenn du jetzt z.B. nach 5 Jahren am CD-Ständer vorbeiläufst und ein Album siehst und dir denkst: „Damals war das doch so ein Brett“. Und dann ziehst du es raus, hörst es dir genauso an wie damals und denkst dir dass es heute immer noch ein Brett ist. Aber ich sag es dir ehrlich, dass ganze Zeugs was im Fernsehen oder in den Clubs läuft, dass hört sich alles an wie ein One-Hit-Wonder.

 

HHWS: Eintönig?

P-Vers: Ja, und jetzt gerade auch von der Produktion her. Ich bezieh das jetzt mal nur auf das Rap-Ding. Dann sind da so Lil Jon Beats mit komischen Synthies, das ist ja cool, sollen sie auch machen, aber nicht nur! Ich will mal wieder einen New York Beat in einem Club hören, aber offenbar geht das wohl nicht.

Claudio: Ich mach ja auch viel Parties und ich guck dass ich das irgendwie am Leben erhalte mit meinen Funk-Parties und mit meinen Jams. Dann kriege ich immer wieder die Frage: „Wieso machst du nicht mal wieder was richtig Großes?“

Ich hab gar keinen Bock auf so große Veranstaltungen wie ich sie hier schon 2-3mal gemacht habe, weil das Ganze so undankbar ist. Ich mach lieber eine Jam mit 300 Leuten, wo jeder weiß was er davon hat, wo geile Kreise gehen und die Leute, die was davon verstehen, wissen das dann auch zu schätzen. Der Steve war auf meinen Jams und der sagt: „Hammer“, der Crazy aus der Schweiz, der ist 40 Jahre alt, der hat keinen Bock mehr auf einen Großteil der Szene, der war auf den Jams hier im KIK und sagt: „Geil“. Und so was gibt mir Kraft, ich brauche da keine Tausend oder mehr Leute in der Halle.

P-Vers: Ich denke auch grad die Aufgabe von Leuten wie uns ist, dass wir was dagegen tun, von den jungen Kiddies wenigstens ein paar auf die Seite nehmen zu können und zu zeigen dass es noch andere Sachen gibt.

Weil ich denke mir immer wieder wo das Ding in 10 Jahren enden soll. Das soll jetzt keine Schwarzmalerei sein, aber wenn nur noch so Typen rumlaufen, dann schließe ich mich zuhause ein und höre nur noch die alten Dinger und Funk. Weil ich dann keinen Bock mehr drauf hab.

 

HHWS: Kommen wir mal auf die aktuelle Rapszene zu sprechen. Was haltet ihr von dem was in Deutschland alles veröffentlicht wird?

Claudio: Es gibt wenige Sachen die mich flashen. Es sind momentan eh nur dieselben Leute im Fernsehen, die Aggro Leute hauen eins nach dem anderen raus aber für mich haben die es nicht drauf, da kommt nichts wahres rüber. Die stellen ihre ganze Gang hinten dran und machen einen auf hart. Es gibt natürlich Kinder die drauf stehen. Zeig doch mal einem Erwachsenen Aggro-Berlin Rap. Der wird das Scheisse und niveaulos finden.

P-Vers: In unserem Alter ist es doch so, dass, wenn man sich einen Track anhört und dann vielleicht noch einen, dann denkt man sich doch auch: „Was will der jetzt von mir?“ Mir gibt’s halt jetzt nichts.

 

HHWS: Das ist eine intelligente Marketingstrategie.

P-Vers: Gut, da streiten wir uns untereinander öfters drüber. Aber wie sie es marketingmäßig aufgezogen haben, da muss man den Hut vor denen ziehen. Denn wie sie es herausgebracht haben, da läuft das Ding echt gut. Wenn ich jetzt mal nur die Musik nehme, dann ist es in meinen Augen für den Arsch. Ich meine, wenn die unsere Tracks anhören dann sagen die vielleicht das Gleiche, aber na gut…

Claudio: Das beste Beispiel ist eine Arbeitskollegin von mir. Die ist über 40. Ihr Sohn hat Aggro-Berlin zuhause gehört und sie, als gelernte Lehrerin, hat sich die Texte mal angehört und ihren Sohn gefragt was er sich da überhaupt gibt. Und dann hat sie ihm einen Block und Stift hingelegt und hat ihn die Texte mal aufschreiben lassen. Ich hab da voll lachen müssen als sie mir das erzählt hat, das ist eine gute Idee. Dann sagte der Sohn zu ihr dass er weiß, dass die Texte nicht gut sind aber die Musik sei gut. Sie hat ihm dann erklärt dass beides zusammengehört, dass Text und Musik gut sein müssen. Und das fand ich dann richtig geil, denn wenn Leute, die nicht aus der Szene sind, so was auch sagen, dann zeigt das doch was! Das ist gar nicht dass wir nur was gegen die Art haben wie die sich Wiedergeben, das sagen auch Leute die sich Null mit HipHop auskennen. Und ich finde es wiederum geil wenn Leute die sich nicht mit HipHop auskennen zu uns kommen und unsere Texte bestätigen. So was gibt mir was.

P-Vers: Das Traurige ist halt auch an der ganzen Geschichte ist, wenn man da mal ganz unabhängige Leute nimmt, z.B. bei meiner Arbeit. Da werde ich gefragt was ich hobbymäßig mache und wenn ich dann darauf antworte dass ich rappe, dann kommt meistens immer ein Spruch wie: „Ah, auch einer von den coolen Rapper.“ Die kennen nur das Scheiss Bild was denen durchs Fernsehen vermittelt wird und wissen gar nicht was es Drumherum noch für eine Szene gibt. Aber dass ist die Scheisse welche durch die Medien kommt und du stehst dann da und versuchst zu erklären, dass es nicht so ist.

Claudio: Und die Leute wie z.B. Savas oder Azad, die können noch viel besser abgehen. Ich glaube, die müssen manchmal so ein Lied herausbringen wie sie es machen.

P-Vers: Ja, da kommt dann das Label und sagt: „Du bringst jetzt so einen Track raus damit es sich besser verkauft.“

Claudio: Ich will nicht sagen dass die schlecht sind, die sind gut. Der Savas hat es pervers drauf, gegen Eko hat er bewiesen dass er ihn versägt, zerstört und zerbombt hat und für immer beerdigt. Der Kerl braucht nie mehr zurück ins Biz kommen. Das Lied fand ich richtig pervers. Da hat er gezeigt dass er es drauf hat vom Allerfeinsten.

P-Vers: Es ist vielleicht auch ein Fehler von mir, ich beschäftige mich dann damit auch nicht so sehr, weil ich momentan auch echt keinen Bock drauf hab. Es gibt bestimmt gute Untergrundgruppen, aber die kriege ich dann vielleicht gar nicht mit, wo dann jemand z.B. in Hamburg oder Rostock sitzt und kennt uns auch nicht und sagt genau das Gleiche, dass es zu wenig gibt. Vielleicht gibt es einen Haufen guter Gruppen, aber die kriegen halt nie die Möglichkeit sich zu zeigen.

 

HHWS: Das Portal dafür fehlt.

Claudio: Ja. Du brauchst Geld. Du musst dir eine Seite in der Juice und in der Backspin kaufen damit du mal Anerkennung und Aufmerksamkeit kriegst. Und so eine Seite kostet über 2000€. Das kannst du echt vergessen, ohne Sponsor oder Geld geht nichts in diesem Business. Oder ohne Connections. Du kannst gut sein wie du willst, aber ohne Connections geht nichts. Wir haben Sachen weggeschickt. Von 10 weggeschickten Alben haben wir nur eine Absage gekriegt.

P-Vers: Das ist das Beste, da kriegst du nicht mal mehr eine Absage.

Claudio: Und dann hieße es dass wir in den Pool, den die betreuen, nicht reinpassen oder dass Offenburg zu klein ist, das kennt ja keiner.

P-Vers: Das hab ich mal bekommen, wo ich meine Solosachen noch gemacht habe, bevor wir das Streethop Ding gestartet haben. Vor ca. 3-4 Jahren hab ich mal so Sachen weggeschickt und dann entweder von EMI oder von BMG kam dann so was. Gut, sie sind wenigstens ehrlich, aber in dem Brief kam dann was wie, dass die Stadt in der ich wohne von ihnen schlecht vermarktbar sei. Da fängt es schon an. Du musst ja in Köln, Berlin oder München wohnen nur damit du es nach oben schaffst. Ich sag dann immer, dass in den kleinsten Städten vielleicht die größten Talente sitzen aber keine Chance kriegen, weil es dann heißt, dass man die nicht vermarkten kann. Elvis Presley ist auch irgendwo in Tennesse im Hühnerstall geboren worden und hat es trotzdem geschafft, so wie James Brown auch.

Da machen es sich die Menschen auch einfach. Natürlich ist es einfach einen aus Hamburg oder Berlin aus dem Assiviertel als den Supergangster zu vermarkten. Aber einer aus irgendeinem Kaff, der sich hochgearbeitet hat, dem seine Fans kaufen sich die Sachen noch in 10 oder 15 Jahren. Das ist auch ein weiteres Problem, viele trauen es sich dann nicht in so jemanden Geld zu stecken aus Angst vor dem Risiko.
Ich hab mal einen coolen Bericht über die Gruppe Wir sind Helden gesehen. Die haben auch zig Demotapes weggeschickt, aber es hat den Labels auch nicht reingepasst, das Risiko war denen zu groß bei der Musik. Aber irgendeiner hat es dann probiert und jetzt sind sie groß. Jedes Label würde sich wahrscheinlich den Arsch aufreißen um die zu bekommen.

Klar, es gehört auch immer Glück dazu, du musst auch am richtigen Fleck dabei sein.

 

HHWS: Was muss ein Track haben damit er euch gefällt?

Claudio: Er muss eine Aussage haben, es muss was dahinter stecken, der Beat muss einfach geil sein. Das Gesamtbild muss passen.

P-Vers: Ich hab schon Tracks gehört wo der Beat alleine derb war und dann kommt halt irgendeiner mit seinem Rap und dann hat’s nicht gepasst. Andersrum gibt es das auch.
Aber ich leg mich da jetzt nicht fest, das kann auch ein Funk Ding sein oder so.

Claudio: Ja, das kann alles sein, dass kann Eastcoast sein oder Westcoast  oder sonst was.

P-Vers: Im Sommer haue ich ein G-Funk Teil rein und fahre damit dann rum, im Winter höre ich ein Teil aus New York aus Mitte der 90er weil ich dann halt Bock drauf habe. Man darf das nicht so eingrenzen. Und wenn ich Bock auf Tony Marshall habe, dann höre ich Tony Marshall. (Lacht)

 

HHWS: Wie geht ihr vor wenn ihr einen Track produziert? Mit was für Technik / Programmen arbeitet ihr?

P-Vers: Zuhause arbeite ich mit dem Reason, das wurde entwickelt für House und Techno Musik, ist von einer schwedischen Firma. Ich finde es genial, ist auch ziemlich einfach zu bedienen.
Der Al Capone und der Bakerman in Freiburg, die machen beide mit dem Logic rum, wie wohl die meisten. Wenn du den Sound auch richtig top haben willst, dann machst du es auch am besten mit den Programmen. Fruity Loops habe ich auch, das belächeln auch manche, aber da kann man auch coole Sounds mit machen.

Claudio: Der Giu-cee und der Sebbes von uns, die produzieren beide mit der MPC.
Wir beide sitzen auch manchmal bei mir und suchen nach Samples. Wir stehen beide auf Samples, was nicht heißt dass wir nur darauf abfahren. Ich finde Beats mit Samples von z.B. alten Funk- oder Soulteilen halt geil.

Dann sucht halt einer von uns hier einen Sample raus und es wird ein Beat dazu gebaut.

Wir haben auch manchmal so Sessions wo hier 2-3 Leute rumsitzen und 2 MPC’s da stehen und wir probieren alle zusammen was aus.

Ich hab auch angefangen Beats zu machen, aber irgendwie hab ich keine Zeit. Wir haben so viele Beats, ich muss erstmal genug schreiben dass ich auf die Beats alle rappen kann die wir haben. (Anm.: lacht) Von dem her überlasse ich das auch den anderen.

Auf unserem ersten Mixtape war der Beat von dem Track „Philosophie“  von mir, das war auch der erste von mir den ich selber benutzt habe und dafür war es auch ganz ok.

P-Vers: Um noch mal auf die Samples zurückzukommen. Das liegt auch daran wie wir aufgewachsen sind. Die ersten Dinger die uns so richtig geflasht haben waren ja Gangstarr, Mobb Deep, Group Home, Primo und so Sachen. Und persönlich hören wir ja auch Soul und Funk.

 

HHWS: Viele Texte sind heutzutage Battletexte oder auch Gangstertexte. Wie kommt ihr zu euren Texten, was für Einflüsse habt ihr?

Claudio: Also ich kann jetzt nicht voll auf den Gangster machen und privat bin ich der Easy Typ. Das passt ja nicht zusammen. Ich will mit meinen Texten erreichen dass jemand zuhört und sagt: „Geil, das hab ich auch schon gedacht“ oder „Das hab ich auch schon erlebt.“ Ich kann auch andere Rapper dissen, wenn ich manchmal in der Stimmung dazu bin, dann mache ich auch einen Battletext. Aber es gehört auch mehr dazu, als MC muss man verschiedene Facetten abdecken.

P-Vers: Bei mir ist es stimmungsabhängig. Wenn ich manchmal heimkomme und der Tag ist beschissen gelaufen, dann trinke ich halt zwei Bier und schreibe ein trauriges Teil. Oder ich komme heim und alles ist gut gelaufen und ich trinke auch zwei Bier und schreib halt ein anderes Teil. (Anm.: die anwesende Runde lacht)

Claudio: Viele machen halt Gangsterrap und wenn du dann hinten dran guckst, dann geht halt gar nichts. Das find ich einfach lächerlich.

P-Vers: Und ich finde es traurig, darüber haben wir es vorhin schon gehabt, dass es einen Haufen Leute in Deutschland gibt die sich nur auf das Battle Ding versteifen. Ich höre 10 Tracks an auf deinem Album und du battlest nur und am Schluss weiß ich gar nicht wer du bist! Was willst du mir sagen oder was machst du privat?

Claudio: Ich will meine Musik auch in ganz andere Kreise bringen und mich nicht schämen müssen wenn ich da einen auf harten Gangster mache und nur Schwachsinn rappe. Ich will doch mal meinem Onkel und meiner Tante meine CD zeigen und mich nicht schämen müssen. Irgendein Fler oder so, kann der seiner Verwandschaft seine CD zeigen und schämt sich dabei nicht? Das will ich gerne mal wissen. Das ist doch unter aller Sau was die zum Teil rüberbringen.

P-Vers: Bei manchen Sachen die ich geschrieben habe, nachdem ich die dann zwei- bis dreimal durchgelesen habe, dachte ich mir was ich da nur geschrieben habe und hab die dann weggeschmissen. Das passiert auch manchmal.

Claudio: Eben, die Überlegung machen sich manche nicht, die schreiben und bringen es raus ohne zu überlegen. Wenn ich schreibe, dann überlege ich sehr lange und bin dann auch hart zu mir selber. Mir ist es wichtig was dann von mir gesagt wird.
Manche hören auch gar nicht zu. Das Album vom P-Vers ist auch ein Album zum zuhören. Wenn dir da manche Tracks mal alleine anhörst, wie z.B. Tage voller Zorn oder Farbe der Nacht, das ist higher level. Das musst du mal richtig anhören, das ist poetisch. So Storys hat für mich in Deutschland nur Torch gemacht, das ist Storytelling vom allerfeinsten Niveau.

HHWS: Man muss sich die Texte also mehrmals anhören um alles mitzubekommen?

Claudio: Ja, genau. Beim P-Vers musst du die Texte mehrmals anhören und du wirst sie lieben. Einiges ist zweideutig gemeint oder du verstehst es erst beim dritten Mal anhören und verstehst dann was er damit meint. Deswegen empfehle ich euch auch das Album mehrmals anzuhören, grade die langsamen Tracks, denn die sind eine Stärke von ihm. Bei den traurigen Liedern schreibt er die Texte echt krass. Es ist ein Talent so was schreiben zu können. Gib dir mal die Wortwahl vom ihm, das hat Niveau.

P-Vers: Ich bin aber kein Psycho. (Anm.: wieder die Runde am lachen)
Ich hab schon in der Schule gerne Gedichte geschrieben. Ich versuch halt immer so ein Mittelding zu finden. Manchmal hab ich versucht so ganz poetisch abzudriften, aber das ist dann Torch-Level. Man muss einen Mittelweg finden dass es jeder versteht und trotzdem noch auf einem guten Level ist.

Claudio: Die ganzen Tracks vom P-Vers haben mich ja dazu inspiriert, dass ich auch mit Musik angefangen habe. Ich war ja immer unterwegs auf Jams, ich war in jeder Stadt und habe immer P-Vers CDs dabei gehabt. Und wenn dann irgendwo Afterhour ging oder wir haben irgendwo gepennt, dann hab ich die CD den Leuten zum anhören gegeben.

Ich hab dann von meinen Kumpels aus Italien geile Beats bekommen und den einen Beat wollte ich unbedingt haben, die haben dann nur gesagt: „Nimm die Beats und mach was daraus.“ Ich hab davor noch nie gerappt, dann hab ich dem P-Vers den Beat gezeigt und gesagt, dass wir was machen sollten. Wir haben den Track gemacht und das war echt gut, das Lied konnte man zeigen. Und so ist das dann passiert dass ich hier mit dem P-Vers jetzt das Ding am Start hab.

 

HHWS: Was sind denn eure Alltime Favourite MC’s?

Claudio: KRS-One, OC, der ging voll ab wo er hier war, Nas, A Tribe Called Quest und Group Home. Sachen in dieser Richtung.

P-Vers: Bei mir genau das Gleiche, Nas vor allem. Und Masta Ace, den fand ich schon immer geil. Bei dem hab ich immer das Gefühl dass er was vermitteln will, auch wenn es noch so partymäßig ist in manchen Tracks.

Es gibt auch so ein paar Westcoast Typen die auf Gangster machen, aber für mich zu den Alltime Favourite MC’s gehören, wie z.B. MC Eight.

Claudio: Oder Eazy-E. Da kann man viele aufzählen.

Früher waren wir beide ja voll auf Mobb Deep, aber seit G-Unit Zeiten kannst die auch abhacken.

Ich hab da jetzt ein neues Video gesehen, das ist gar nicht mehr Mobb Deep. Und im Hintergrund dann: „G-G-G-G-Unit.“ Das passt nicht. Mobb Deep war Kult, war Original. Sollen sie ihre Millionen machen, aber Mobb Deep hat dadurch alle originalen Fans verloren. Die richtigen Mobb Deep Fans, die scheissen jetzt auf die. Die machen jetzt anderen Sound, die verkaufen sich anders, die haben jetzt fette Clubvideos. Guck dir alte Mobb Deep Videos an. Ok, vielleicht war da das Geld noch nicht da. Aber das jetzt ist doch Fassade, die Frauen, die Autos, das Geld, der Schmuck. Das ist alles jetzt auf 50 Cent gemacht und passt meiner Meinung nach gar nicht zu den Jungs.

P-Vers: Ich find es traurig, das war eine meiner Lieblingsgruppen.

Claudio: Geh mal jetzt auf ein Mobb Deep Konzert. Da kommen jetzt die ganzen verkleideten Affen raus, weil die es durchs Fernsehen kennen. Vor 5 Jahren wäre keiner gekommen und da waren sie krass. Ich war letztes Jahr auf einem Mobb Deep Konzert und war total überrascht, das war ein Kostümball. Ein Kopftuch und zwei Käppies auf dem Kopf.

 

HHWS: Ihr habt das Label Streethop-Records gegründet. Wie kam es dazu und was habt ihr noch so in Planung?

Claudio: Also es kam so dazu – wir saßen einen Stock tiefer im Keller, da haben wir unseren Hobbyraum mit Bar und so. Das wird irgendwann unser Streethop Studio werden.

Es gab hier in Offenburg ein paar Kasper die einen Sampler rausgebracht haben und dachten, die hätten hier in Offenburg HipHop-mäßig alles im Griff, was die Musik angeht. Die haben dem P-Vers vorgeschlagen sein Album rauszubringen unter King of Kings Records. Dazu muss man sagen, dass sind grad solche Typen, von denen wir nichts halten. Der P war irgendwann so verzweifelt dass er sagte: „Ok, ich will ein Album rausbringen, ich hab die Lieder fertig.“ Die haben ihm vorgeschlagen, dass sie alles für ihn machen.
Dann hab ich das mitbekommen. Ich bin mit ihm seit wir klein waren zusammen, ich weiß was er macht, ich weiß was die machen und hab gesagt: „P, das geht nicht.“ Die sind voll auf so Dirty-South-Gangster-Rap-Psychopathen. Auf jeden Fall wollten die das P-Vers Album rausbringen und das ging nicht. Er hat Niveau, und die nicht. Die könnten durch sein Album ihr Label auf eine ganz andere Ebene stellen. Die haben auch eine ganz andere Zielgruppe als er. Die haben ihm dann auch noch einen Scheiss Deal vorgeschlagen, so dass er 50 Cent pro verkaufter CD bekommt. Ich habe bis dahin noch nichts mit Musik gemacht und hab ihm dann gesagt, dass er ihnen absagen soll und ihm versprochen, dass wir unser eigenes Ding machen und sein Album rauskommt.

Dann haben wir einen Streethop Track gemacht, der war auf dem Mixtape ganz am Anfang. Den Namen haben wir einfach für das Label genommen und über Nacht war das Ding da. Dann haben wir angefangen zu arbeiten und ca. 3-4 Monate später war das Mixtape da. Und wie ich es gesagt habe kommt jetzt sein Album. Wir haben alles selber erschaffen und machen das ohne die Typen und ohne dass wir denen noch 8-9 Euro pro CD abdrücken müssen.

Wir haben nun noch ein neues Member im Boot, Slonesta (Slona), auch aus Offenburg.

Wir haben unser Ding ausgebaut auf Italien und Frankreich und haben noch eine Clique in der Schweiz, die machen viel Beatbox. Die Homepages Streethop-Frankreich und Streeethop-Italy gibt’s auch jetzt. Aus Italien kommt jetzt auch ein Soloalbum von der Gamma, ist auch einer der besten Rapperinnen in Italien und sehr bekannt. Ihr Album wird auch echt ziehen, da die Frau einfach der Hammer ist.

Wir haben vor, Ende des Jahres einen Sampler zu bringen mit Leuten aus Italien, Frankreich und Deutschland.

Jetzt nach dem Album vom P-Vers soll im Sommer das Album vom Slona kommen und danach der Sampler. Der Slona macht so Dancehall und Ragga Zeug und passt von der Art her auch zu uns. Nächstes Jahr bin dann ich dran mit einem Album.

 

HHWS: Es bestehen einige Connections bei euch ins Ausland sowie auch in Deutschland. Mit wem habt ihr bisher zusammengearbeitet und wie kam das zustande?

Claudio: Viel entstand bei mir auch durchs Breaken. Dadurch hab ich die Italiener kennengelernt und wir haben auch eine Unity-Crew gegründet, Footwork Mafia. Da war auch ein Rapper mit drin, dadurch bin ich dann mal in Italien im Studio bei seinen DJ’s gelandet. Dann hab ich die mal auf eine Jam hierher eingeladen. P-Vers hat ja hier in Deutschland mit Torch und Toni-L seine Dinger gemacht.

P-Vers: Die Connection ist jetzt ruhiger geworden. Bei Torch, da erfährt man nicht so großartig was der macht, Boulevard Bou legt jetzt nur noch auf und vielleicht steht noch was mit Toni-L an, mal gucken ob wir da noch was hinkriegen.
Dann gibt’s noch La Mixture aus Frankreich. Wir haben in Frankreich hauptsächlich Connections nach Colmar.

Claudio: Und in Schweiz die Jungs von Double Box, die machen ja Beatbox. Die haben wir auch schon oft mit auf Shows genommen. Wir hatten ja in einem Club hier in Lahr, Universal DOG, letztes Jahr eine einstündige Show. Die fing mit einem Intro mit zwei Sprühern an, die haben getaggt, dann kam ein Helikopter, dargestellt durch den Headspin, dann sind die Sprüher weg, wir kamen raus und dann sind ein paar Saltos und B-Boys durch die Gegend geflogen. Später kam dann der Beatbox Part von den Schweizern, es gab noch eine DJ Einlage. Wir haben dann zwischendurch unsere Dinger gerappt. Das war eine geile Show. Die haben wir am 30. April wieder im Universal DOG, wo dann sein neues Album mit vorgestellt wird. Da haben wir auch dann neuere Ideen dafür. Wir beziehen ja die Tänzer, unseren DJ und Graffiti mit ein in unsere Shows, ich will zeigen dass das alles zusammengehört.

 

HHWS: Was habt ihr von den Szenen dort mitbekommen?

Claudio: Es gibt in Turin in Italien einen Platz. Der ist auf der Strasse, mit Mamorboden, in einem Eck. Das ist ein Open-Air Jugendzentrum. Da sind abends die B-Boys am tanzen, da wird Freestyle gerappt, da geht’s voll ab. Das ist noch richtig Old School-mäßig. Die legen auch sehr viel Wert auf die Geschichte. Klar gibt’s da auch Toys und Leute die keinen Plan haben, aber der harte Kern legt Wert aufs Originale und ist auch ziemlich New York-orientiert.

In Frankreich ist es halt so, dass die ganzen Gangster in den Vierteln was machen. Die können auch nichts dafür, die werden einfach ins nächste Viertel gesteckt, in welchem Hochhäuser hochgezogen werden. Da kommen die ganzen Marokkaner, Algerier und so rein. Es ist klar, dass die da ständig mit Drogen und Gewalt zu tun haben. Und das ist es, was sie in ihrem Sound wiedergeben.

P-Vers: Ich höre oft französischen Rap daheim, ich verstehe zwar nicht viel, aber das Feeling stimmt. Da habe ich das Gefühl dass die das machen, was in Deutschland oft fehlt, dass sie was von sich erzählen, wo sie herkommen und so. Ich hab immer so das Gefühl dass man manche Jungs, die hier in Deutschland so rumposen, mal in so ein Viertel dort reinstecken sollte. Ich wäre gespannt drauf was dann dort abgehen würde.

 

HHWS: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten, egal ob MC oder Produzent?

P-Vers: Eigentlich die Alltime Favourite MC’s von vorher. Ansonsten wäre ein Premier Beat immer geil. Auch Battlecat von der Westcoast, der hat dort schon für jeden an der Westcoast produziert, für Snoop, Kurupt und die ganzen Leute.

Claudio: Ich hätte gerne mal einen Track mit Toni-L, der P braucht sich das ja nicht mehr wünschen, der hat das schon gehabt. Das wäre auch mal geil, denn den Typen respektiere ich so wie er ist und was er macht.

P-Vers: Und ich hätte gerne noch ein Lied mit Alicia Keys und danach noch was trinken gehen und dann aufs Hotelzimmer…(allgemeines Gelächter)
Doch, ich find sie echt cool, die kann echt gut singen. Es muss ja nicht immer rapmäßig sein, mit James Brown würde ich auch gerne was machen oder mit Isaac Hayes, das wäre auch super.

Claudio: Ja, das steht halt weit weit entfernt in den Sternen. (lacht)

P-Vers: Das wird wohl auch für immer ein Traum bleiben, aber egal.

 

HHWS: P-Vers, dein Soloalbum kommt am 08.04.06 raus. Wer hat alles auf dem Album mitgewirkt?

P-Vers: MC-technisch: Der Slonesta, Gamma aus Italien und Claudio. Produzententechnisch: Al Kapone, Bakerman, Sebbez, Slona, Gui-Cee aus Ludwigshafen und ich.

 

HHWS: Was können wir von dem Album alles erwarten?

P-Vers: Tutti Frutti. Also gemischt halt, mit verschiedenen Stimmungen halt, Battlesachen, persönliche Dinge sowieso….Auf jeden Fall erwarten euch 14 Hammertracks, wo für jeden was dabei ist. Und vielleicht mal wieder ein anderes Level in Deutschland.

 

HHWS: Wie lange hast du an dem Album gearbeitet?

P-Vers: Lang. Zu lang. (lacht)

Einige Tracks waren schnell im Kasten. Vor zwei Wochen war ich in Freiburg und hab drei Tracks innerhalb von zwei Tagen eingerappt, die waren ruckzuck drin. Klar gibt es auch Tracks drauf wie Tage voll Zorn oder Wo ich herkomm, bei denen es die Lyrics schon 4-5 Jahre gab. Wenn man es von der reinen Arbeit her, dann vielleicht ein halbes oder dreiviertel Jahr, ohne das Schreiben und Produzieren.

Claudio: Wirklich gezielt haben wir nicht am dem Album gearbeitet. Vor einem halben Jahr gab es das Album schon, aber mit anderen Tracks drauf.

 

HHWS: Beschreibt mal bitte die Offenburger HipHop und Rap Szene. Was gibt’s bei euch alles?

Claudio: Die Szene ist nicht besonders groß, man kennt sich. Es gibt einige Leute die aktiv sind aber ausser unserer Clique keine, die reisen. Für mich ist HipHop reisen. Du musst unterwegs sein, Leute kennenlernen und Connections knüpfen. Es gibt hier eine Szene und auch Leute die auf den Parties abgehen. Es gibt Leute die auflegen oder Sound machen, aber die gehen nicht aus Offenburg raus. Und für mich ist das sehr, sehr wichtig.

Was auf jeden Fall in Offenburg schon immer richtig aktiv war, dass ist die Graffitiszene. Die Jungs gehen auf Trains ab, das ist nicht so wie in anderen Städten, wo die Hall of Fame Maler auf schöne Effekte und Schablone achten. Das war in Offenburg schon immer so mit den Trains.

P-Vers: Das Gute daran ist auch, dass da immer noch Nachwuchs nachkommt. Bei den B-Boys ist das leider weniger.

Claudio: Die Graffitiszene ist jetzt komplett von anderen Leuten abgelöst worden, die alten Leute sind entweder weggezogen oder in den Ruhestand. Die neue Leute gehen vielleicht nicht mehr so extrem ab, aber sie machen es und es wird gerockt und das finde ich auch wichtig.

 

HHWS:  Wie ist es mit FCA? (Five Can Artists)

Claudio: Um die Crew herum ist es ruhig geworden, der eine lebt hier, der andere dort und so weiter…

P-Vers: Die kommen bestimmt mit fünfzig wieder zusammen, das ist ein schlummernder Riese…(lacht)

Claudio: Da gibt’s noch einen der richtig aktiv ist und viel macht, aber es gibt ja auch andere Leute die richtig aktiv sind.

P-Vers: Es ist auch manchmal so, dass ich zu dem Kumpel hier hingehe(Anm.: zeigt auf einen Anwesenden), der malt auch,  und nach diesem oder jenem Piece frage, da man den Namen dann auch nicht kennt. Es ist also nicht so, dass wir uns alle kennen.
Rapmäßig geht es, vielleicht rappen ein Haufen Kids, aber man bekommt es nicht mit.

 

HHWS: Mir ist noch von einer damaligen Fahrt mit dem Zug nach Offenburg im Kopf geblieben, dass man viele Sachen von FCA sah.

Claudio: Ja, die haben viel gebombt, auch an der Autobahn, an der Line, auf Trains. Und die ganzen Dinger sind ja auch alt, vielen von ihren Sachen sind ja auch schon weggebufft oder weggestrichen worden. Die haben ihre Spuren hinterlassen. Das gab da ein Riesengerichtsverfahren, der Prozess ging vier Jahre lang. Und am Schluss sind alle freigesprochen worden. Das Landesgericht hat das Hauptverfahren aus Mangel an Beweisen abgelehnt. (lacht) Vier Jahre Stress, ich war auch mit drin in dem Fall, da gehört auch die Geschichte mit der Hausdurchsuchung von vorhin mit dazu. Ich habe schon Pläne geschmiedet dass ich auswandere und in Süditalien auf dem Bau beim Onkel arbeite. (alle lachen) Ja, das war alles schon in Planung, die wollten so viel Geld von mir, ich hätte mein Leben lang zahlen müssen.

P-Vers: Jetzt grad FCA-technisch, ich weiss nicht ob die so denken, aber die brauchen sich nichts mehr beweisen. Die sind auf einer Ebene angekommen, da macht ein Zug mehr oder weniger nichts mehr aus.

Claudio: Das ist auch noch eine ältere Generation als wir.

P-Vers: Grade beim Graffiti ist es ja auch so, dass wenn man älter wird man auch darüber nachdenkt, ob man jede Nacht unruhig schlafen will oder nicht.

Claudio: Hier wurd’s dann halt auch richtig gefährlich. Die haben jahrelang easy gemalt und auf einmal gab es hier eine Soko.

Ich erinnere mich noch an eine geile Szene. Das war 95 auf einer Jam in Bühl-Stadt. Da waren die Kinder der Zukunft da, auch der Fidi, und der Opium von FCA war mit uns da. Der hatte sein kleines Fototaschenalbum mit 20-30 Trains drin dabei, und irgendwie kamen wir mit denen ins Gespräch und die haben dann sein Album gesehen. Die haben da schon von ihm geschwärmt und gleich die ganze Mannschaft zusammengetrommelt und dann standen letztendlich ca. 10 Leute um sein Album herum und haben sich seine Trains gegeben. Das fand ich geil, da wir B-Boy-mäßig noch ganz am Anfang waren und KDZ hatte schon einen Namen durchs Battle of the Year und so und auf einmal sind die da gestanden und haben gesehen dass auch bei uns was geht.

 

HHWS: Was haltet ihr von der aktuellen Politik?

Claudio (lacht): Oh je… Fr. Merkel….

P-Vers: Ich habe am Anfang gesagt: „Oh Gott, was kommt da auf uns zu.“ Vielleicht macht sie überhaupt nichts besser, vielleicht bleibt es auch so wie es war. Klar, sie ist ein komischer Typ, mal schauen was sie auf die Reihe kriegt. Ich denke es gibt noch viel wichtigere Leute in der Weltpolitik, mit denen es gefährlich ist. Über den Bush müssen wir ja nicht mal reden.

Claudio: Bei der Politik halte ich mich eher raus, da das nicht meine Welt ist, was die da machen. Und wir haben eh keinen Einfluss drauf. Deswegen scheiss ich drauf, weil die echt viel falsch machen.

P-Vers: Wo ich mir Gedanken drüber mache, das ist die Nah-Ost Geschichte. In Palästina ist die Hamas gewählt worden, im Irak kriegt man ja auch keine Ruhe hin, im Iran kommt es ja auch langsam. Wer in meinen Augen der Arsch ist, ich will die Araber da unten nicht in Schutz nehmen, aber das ist in meinen Augen der Bush oder die Politik der USA. Ihre Politik ist oft das Falsche an der ganzen Geschichte. Man kann nicht irgendwo hin gehen und sagen: „Jetzt komm ich und jetzt läuft alles nach meinem Plan.“ Man kann nicht eine 5000 Jahre alte Kultur über den Haufen schmeißen.

Claudio: Was mir an der ganzen Geschichte auch Angst macht ist, dass es langsam so in die Richtung des religiösen Krieges geht, Christen gegen Moslems. In was für einer Zeit leben wir denn, dass wir heute noch so dumm denken müssen. Lass die Leute doch glauben was die wollen.

P-Vers: Ich glaub auch an meinen Gott, dass ist vielleicht ein bisschen christlich angehaucht, aber nicht total. Aber ich glaub schon an Gott. Wenn einer fünfmal am Tag betet dann ziehe ich auch meinen Hut und sage: „Besser als einer der an gar nichts glaubt.“

Ich habe für mich so ungefähr das Motto: Wer hat uns das Recht gegeben zu wissen was Gott sagen will oder denkt? Mein Gott ist jetzt das Beste und für den töte ich und alle müssen so denken wie ich. Es hört doch auch nicht jeder die gleiche Musik oder isst das Gleiche.

In was für einer Zeit sind wir heute. Manchmal habe ich das Gefühl wir werden wieder zum Affen.
Wir haben ja auch viele arabische Kollegen und die gucken ja auch die Nachrichten und unbewusst hämmern sich die Sachen dann bei einem in den Kopf rein. Dann kommen auch manchmal so Sprüche wie: „Du bist ja Christ, bei dir passiert das nicht so.“ Obwohl das ja gar nicht böse gemeint ist oder irgendwas ansprechen soll.

Claudio: Die Medien bringen ja auch viel Scheisse, die Islamisten wären alle Terroristen. Die Leute, welche die Bombenanschläge machen, das sind einfach irgendwelche Freaks. Wenn irgendein Christ einen Banküberfall macht, dann kommt auch nicht in den Medien: Die Christen haben einen Banküberfall gemacht.

Frag mal irgendeine ältere Frau hier in der Nachbarschaft über Moslems. Die weiß gar nichts richtiges, weil die von den Medien so einen Scheiss erfährt.

P-Vers: Ich denke so diese Geschichte dort ist das größte Problem was wir momentan auf der Welt haben, denn das kann auch noch ganz gefährlich aus dem Ruder laufen.

 

HHWS: Wieso heißt das Album „Tage voller Zorn“?

P-Vers: Weil ich gerade zornig bin. (lacht) Der gleichnamige Track gehört mit zu den ehrlichsten Dingern von mir und hat mich dann dazu inspiriert das ganze Album so zu nennen. Ich bin auch so, siehst du ja gerade bei dem Thema Politik. Ich wollte aber auch mal einen ganz anderen Titel als viele andere Leute im Biz haben, wie z.B. Cash & Bling  Bling oder Neue Deutsche Welle oder so was.
Ich wollte dass die Leute auch das Album in die Hand nehmen und sich fragen, was das jetzt heißen soll, was ich denen auf dem Album alles sagen will.

 

HHWS: Dein neues Album hast du abwechslungsreich gestaltet, so was hab ich schon lange nicht mehr gehört. Hat die Abwechslung darauf einen bestimmten Grund?

P-Vers: Ich wollte einfach für jeden was dabei haben und auch die vielen verschiedenen Gefühle von mir ausdrücken.

Claudio: Der P ist auch ein witziger Typ und macht gute Musik. Den kannst du auch auf der Fastnacht oder den Cannstatter Wasen hinstellen und der macht sein Ding. Was Musik angeht, da ist der Kerl einfach offen, mit dem kannst du auf Funk abgehen, auf Schlager, auf Hardcore Rap, einfach auf alles. Und das hört man aus dem Album raus, wenn man das richtig anhört.

P-Vers: Da hat er mich grade auf was gebracht. Musik ist doch eines der schönsten Sachen auf dieser Welt und durch Musik kann man so viele Gefühle ausdrücken, alleine wenn du nur einen Beat laufen lässt. Musik kann auch Gefühle verstärken.

Ich habe mal in einem Buch von einem Indianer folgendes gelesen: Musik ist die Sprache Gottes, er kann nicht reden, er äußert sich durch Musik.

Da frag ich mich auch öfters bei den Kids die Aggro hören, ob es denen um die Musik geht? Hören sie die Musik und verstehen sie die Musik oder kaufen sie es nur weil es grade alle kaufen?

Claudio: Die finden das Harte geil oder wenn einer den anderen disst. Bushido hat doch Torch ohne Grund gedisst und dann sagen die Kids: „Ja geil, der hart Torch gedisst, der ist besser weil er ihn disst.“

P-Vers: Wahrscheinlich hat Bushido früher Torch seine Dinger angehört. Und wenn wir doch ehrlich sind, da mache ich echt eine Wette und gehe zu Bet And Win (lachen im Hintergrund). Die Kiddies die jetzt Aggro hören, die hören es doch gar nicht richtig. Sie hören es gar nicht weil es ihre Musik ist, sie hören es nur weil es gerade 5 Kumpels von ihnen auch hören. Und wenn der Typ dann 30 ist und sich zurückerinnert, dann denkt der sich bestimmt: „Man war ich bescheuert, das war ja gar nicht meine Musik.“
Ich habe ja auch nicht mit Rap angefangen weil es cool war, sondern weil es meine Musik war. Deswegen höre ich auch Funk und Soul, weil es echt meine Musik ist.

Claudio: Der P-Vers war jahrelang hier in Offenburg alleine, es gab hier keinen anderen Rapper. Der P-Vers stand immer alleine auf der Bühne.

Da fällt mir ein geiles Ding ein, das war 96 oder so in Karlsruhe bei Das Fest. Da war MC Rene mit Mirko Machine und hat einen MC Workshop gegeben. Da durften nur Teilnehmer rein und wir beide haben uns halt rein geschlichen. Da waren auch die Krähen aus Stuttgart, die waren schon älter, die waren da mit einer größeren Clique. Und der P-Vers klein, mit seiner Brille und so…Die haben den voll unterschätzt. Der Mirko legt einen Beat auf und der MC Rene sagt ein Thema zu dem man rappen soll. Der P-Vers legt los und auf einmal sehe ich nur wie der Mirko überrascht schaut, der Rene auch, und die Krähen waren alle voll geschockt und der P gibt’s denen voll. Der lässt da voll ab und da hat man gesehen, die haben ihn alle immer unterschätzt.

P-Vers: Die Leute die du unterschätzt, das sind deine schlimmsten Feinde, die sind immer am gefährlichsten. Bei einem Pitbull denkst du der beißt dir gleich den Fuß ab, aber am schlimmsten sind die ganz kleinen, die Dackel und so…(lacht)

 

HHWS: Was habt ihr für die Zukunft geplant, was steht noch alles an?

P-Vers: Die ganzen Alben die wir vorhin gesagt haben. Und von persönlicher Seite her, klar das mit der Familie und der Gesundheit alles in Ordnung ist, das ist ja klar, aber was noch ein Ziel für mich ist, dass das Studio langsam vorankommt und dass alles ins Laufen kommt.

Claudio: Dass wir auch vorankommen und wenn wir Underground- Kings sind, dann bin ich schon zufrieden, ich will da nicht im Fernsehen oder so mitmischen. Ich will aber so weit kommen, dass wir auch z.B. in Hamburg gehört werden, dann bin ich schon zufrieden. Ich find es jetzt schon geil, es hat sich innerhalb des einen Jahres gut entwickelt. Durch das Mixtape ist auch viel ins Rollen gekommen, wir hatten viele Auftritte. Es hat sich sehr gut entwickelt und ich denke es wird noch einiges gehen, wir sind auf dem richtigen Weg.

Was ich mir auch wünsche, dass die anderen von unserem Label in ihren Ländern erfolgreich sind, dass wir dann mit der Gamma mal in Italien touren würden, wie wir sie hier auch mitnehmen würden.
Ich denke dass wir mit den drei Ländern was hochziehen können. Streethop soll in den drei Ländern ein Begriff werden und mein Wunsch und Traum ist, dass das ein großes Ding in Europa wird.

P-Vers: (grinst schon) Er will es jetzt nicht so richtig zugeben, aber er will das Feld von hinten aufrollen. So der Gegenpol zur USA sein, eine eigene Europäische Union gründen. Wir kriegen noch alle Länder. So der Napoleon im Rap Business (die Anwesenden lachen)

Claudio: Es ist noch alles in Planung.

P-Vers: Und auch noch das Gefühl am Leben zu erhalten und zu zeigen, dass es noch andere Dinge gibt.

 

HHWS: Vielen Dank für das Interview. Einige letzte Worte oder Grüße…

Claudio: Wartet ab, in zwei-drei Jahre reden wir noch mal, dann haben wir das geschafft was wir wollen.

P-Vers: Ich grüße alle von Streethop, macht euch bereit auf das was noch kommt, ich denke da wird noch einiges kommen. Ich grüße auch meine Mutter und meinen Vater für mein Talent… (grinst, überlegt kurz)… und meine Oma… irgendwo muss es ja hergekommen sein.

Claudio: Ich grüße alle die das wahre Ding noch zu schätzen wissen und auch wissen, um was es bei der ganzen Sache noch geht. Und die Leute, die sich auch mit unseren Texten identifizieren können.